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Wie steht es eigentlich um die individuellen Gesundheitsleistungen? Häufige Angebote wie das Messen des Augeninnendrucks und die Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke sind umstritten. Auch Ärzte in Bochum sehen den sogenannten IGel-Monitor kritisch.

Die Ärzte machen sich mit individuellen Gesundheitsleistungen(IGel) die Taschen voll und der Patient hat nichts davon. Was ist dran an diesem Vorwurf?

Der neue IGel-Monitor (im Internet: www.igel-monitor.de) der Krankenkassen versucht zumindest ein wenig Licht in das Dunkel der Selbstzahlerleistungen zu bringen.

Was irritiert: Häufig angebotene Leistungen, wie das Messen des Augeninnendrucks zur Glaukom-Vorsorge, die Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke beim Gynäkologen sowie der PSA-Test beim Urologen zur Krebsvorsorge, schneiden in der Bewertung „tendenziell negativ“ bis „negativ“ ab.

Wenig Aussagekraft

Elisabeth Trippe (70/Rentnerin) sagte zu dem Thema in unserer Umfrage: „Mir wurde noch keine solche Leistung angeboten. Allerdings hängen in allen Arztpraxen Plakate und es liegen Informationen zu Extra-Leistungen aus. Ich sehe einfach darüber hinweg, denke aber schon, dass es vor allem dem Nebeneinkommen der Ärzte dient.“

Das heißt: Der IGel-Monitor hält diese Untersuchungen für wenig aussagekräftig.

Aus Sicht des Medizinischen Qualitätsnetzes Bochum ist der IGel-Monitor zwar ein sinnvoller neuer Ansatz, befinde sich aber noch in den Kinderschuhen, sagt der zweite Vorsitzende, der plastisch-ästhetische Chirurg Dr. Christian Möcklinghoff.

Kein Vergleich

„Es gibt Hunderte IGel, es wurden jedoch bislang nur 24 bewertet. Und: Es gibt kein vergleichbares Instrument aus ärztlicher Sicht“, so Möcklinghoff. Das Problem sei, dass IGel zu wenig definiert sind und das Wildwuchs fördere. „Wenn es nicht so wäre, dass Ärzte mitunter auch IGel anbieten, nur um mehr Umsatz zu machen, dann wäre es kein Thema geworden“, sagt er.

Christian Siess (41/Kaufmännischer Angestellter): „Wegen meines Asthmas habe ich beim Lungenfacharzt eine Untersuchung machen lassen, bei der die Entzündungsmarker gemessen wurden. Das hat mich 20 Euro gekostet. Aber ich habe eigentlich das Gefühl, dass mir diese Untersuchung nichts gebracht hat.“

Inhaltlich sollten die Bewertungen durch die Krankenkassen aber nicht überbewertet werden. Für neue Verfahren etwa sei es schwierig, aussagekräftige Daten zu finden, so Möcklinghoff.

Missverständnisse

Auch können Bewertungen im Monitor missverständlich sein. Die „Augeninnendruckmessung“ beispielsweise wird als „tendenziell negativ“ bewertet. Im Gespräch mit Augenarzt Dr. Roland Brokmann stellt sich heraus: Die Messung des Augeninnendrucks alleine hat tatsächlich kaum Nutzen. Sie wird aber von seriösen Augenärzten auch nur kombiniert mit der Untersuchung des Sehnervs als IGel angeboten. „Diese Untersuchung ist ein uralter augenärztlicher Standard in der Glaukom-Vorsorge und Diagnostik “, erklärt Brokmann.

Sabine Linden (51/Diplom-Sozialpädagogin): „Mir wurde schon aktiv ein Ultraschall der Eierstöcke angeboten. Ich habe den auch machen lassen, weil ich das Gefühl hatte, ich bin damit auf der sicheren Seite. Ich empfinde Gynäkologen als recht forsch. Mir wird der Ultraschall jetzt immer wieder angeboten.“

Die Bewertung des PSA-Tests zur Prostata-Früherkennung als „tendenziell negativ“, wegen gegensätzlicher Studienresultate, stößt bei Urologe Dr. Gunnar Naus auf Unverständnis. „Ich bewerte diese Untersuchung als tendenziell positiv. Prostatakrebs ist im Frühstadium heilbar, aber nicht in jedem Fall auch ertastbar. Warum sollte ein weiteres Hilfsmittel zur Früherkennung nicht genutzt werden?“, fragt er. „Im Übrigen: Sie finden zu allem Studien. Wenn Sie genug suchen, finden Sie auch ernstzunehmende afrikanische Studien, die besagen, dass Kondome Aids nicht verhindern können – nur als Beispiel“, fügt er an.

IGEL geht über „normale“ Versorgung hinaus

„Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen eine medizinische Versorgung, die im Sozialgesetzbuch als zweckmäßig und ausreichend definiert ist. IGel sind fast alles, was darüber hinaus geht“, erklärt Möcklinghoff. Die Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke zum Beispiel sei eine legitime Untersuchung, um Frauen die Sicherheit zu geben, dass keine größeren Veränderungen sichtbar sind, findet er – trotzdem der IGel-Monitor sie als „negativ“ einstuft. Grund: „Eine große Studie“ belege, dass trotz Ultraschall gleich viele Frauen an Eierstockkrebs sterben.

Maria Peter ( 55/Krankenschwester): „Ich lasse alle zwei Jahre einen Ultraschall der Eierstöcke machen, weil in meiner Familie Eierstockkrebs vorkommt, bin ich da sensibel. Außerdem war ich beim Orthopäden auf Schüttelplatte. Das hat mir nicht gut getan. Da denke ich schon, der Arzt wollte daran verdienen.“

Patienten müssen also individuell entscheiden, ob sie eine IGel wahrnehmen oder nicht. Dr. Möcklinghoff em-pfiehlt eine Internetrecherche, um sich über die angebotene Leistung zu informieren. Im Internet seien in der heutigen Zeit die meisten Fakten versammelt. „Auch sollte eine Extra-Leistung nie spontan in Anspruch genommen werden. In meinem Fachgebiet der plastischen und ästhetischen Chirurgie müssen zwischen Angebot und Operation mindestens 24 Stunden liegen. Das sollte auch für IGel gelten“, findet Möcklinghoff.

Quelle: Der Westen / Nadja A. Juskowiak

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