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Medizin

Das Risiko, an Krebs zu erkranken, lässt sich massiv senken,

sagt Rudolf Kaaks vom Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg. Ein Interview über den Zusammen von Ernährung und Gesundheit

Kaaks ist an der großen europäischen Epic-Studie beteiligt, die bei einer halben Million Menschen den Zusammenhang von Lebensstil und Tumorerkrankungen erforscht. Karl-Heinz Karisch sprach mit ihm über dem Einfluss der Ernährung auf das menschliche Krebsrisiko.

BZ: Herr Professor Kaaks, haben Sie heute Morgen schon auf der Waage gestanden?
Kaaks: Nein, das hätte ich aber vielleicht tun sollen. Aber Moment, das ist eine gefährliche Frage.

BZ: Wieso gefährlich, wie hoch ist denn Ihr Gewicht nach dem Winter?
Kaaks: (Lacht) Ob ich das in der Öffentlichkeit sagen soll? Um die 80 Kilogramm, das ist relativ stabil.

BZ: Warum ist denn das Gewicht für einen Krebsforscher so wichtig?
Kaaks: Wenn man über den Zusammenhang von Krebs und Ernährung spricht, dann ist eine der am besten belegten Beziehungen die zwischen Übergewicht und Anstieg der Krebserkrankungen. Meine erste Empfehlung aufgrund der guten Datenlage der vergangenen 15 Jahre lautet, dass man Übergewicht vermeiden sollte.

BZ: Warum führt Übergewicht zu höheren Krebsraten?
Kaaks: Das hat unter anderem damit zu tun, dass sich mit einem Speckbauch und den anderen Fettdepots im Körper der Hormonspiegel ändert. So haben übergewichtige Frauen einen höheren Östrogenspiegel, der das Wachstum von Tumoren in der Brust oder der Gebärmutter fördern kann. Ganz wichtig ist der Einfluss auf den Insulinspiegel, der bei Übergewichtigen oft viel zu hoch ist. Zudem kommt es zu einem Anstieg von Entzündungsfaktoren. All das schädigt den Körper und steigert das Tumorwachstum.

BZ: Welchen Gefahren setzen sich Fettleibige aus?
Kaaks: Für Männer und Frauen gemeinsam sieht man häufiger Darmkrebs, vor allem im oberen Dickdarm, Nierenzellkarzinome und Speiseröhrenkrebs. Letzterer ist vor allem durch aufsteigende Magensäure bedingt, Reflux genannt, was bei Übergewichtigen häufiger vorkommt. Bei Männern steht auch der Prostatakrebs im Vordergrund. Hier muss man unterscheiden zwischen den aggressiven Formen und den sehr langsam wachsenden Tumoren. Sehr viele Männer im höheren Alter haben versteckt Tumore, die aber nie auffällig würden. Bei Übergewichtigen ist das Risiko für die aggressiven Formen deutlich erhöht.

BZ: Da stellt sich natürlich die Frage: Wie werde ich schlank?
Kaaks: Das ist eine kaum zu beantwortende Frage. Gewicht wieder zu verlieren und dauerhaft schlank zu bleiben, ist extrem schwer. Das gelingt leider nur wenigen. Es muss deshalb vor allem darum gehen, Übergewicht überhaupt nicht erst zu entwickeln. Vorbeugen ist das Wichtigste, das ist ein lebenslanger Prozess.

BZ: Wie erreichen die Menschen das in einer von Übergewicht geprägten Gesellschaft?
Kaaks: Wichtig ist, dass wir durch Bewegung genügend Energie verbrennen. Und man sollte kontrolliert, also nicht so viel essen.

BZ: Jahrzehntelang wurde uns erzählt, esst Vitamine – die fangen die bösen Radikale weg – und sekundäre Pflanzenstoffe, dann bleibt ihr gesund. Stimmt das?
Kaaks: Diese schönen Theorien sind aus der Wahrnehmung entstanden, dass Menschen mit hohem Obst- und Gemüseverzehr gesünder seien. Für mich als Krebsforscher ist wichtig, ob sich das epidemiologisch sauber belegen lässt. Vor zehn Jahren sah es noch so aus, als ob ein großer Verzehr von Obst und Gemüse das Risiko für einige Krebsarten um bis zu 50 Prozent senken kann. Diese Daten waren dadurch entstanden, dass man erkrankte Gruppen mit gesunden Kontrollgruppen verglichen hatte. Diese Studien waren stets retrospektiv, schauten also in die Vergangenheit. Inzwischen haben wir das anders gemacht. Große Gruppen mit rund 500 000 Menschen wurden für die europäische Epic-Studie gebildet. Sie wurden nach Ernährungsverhalten eingeteilt. Seitdem wird beobachtet, bei wem sich ein Krebs entwickelt. Und da konnte dieser Zusammenhang kaum nachgewiesen werden. Die fünf Portionen Obst und Gemüse waren im Bezug auf Krebs leider ein Hype, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sieht es allerdings positiver aus.

BZ: Knabbern wir Rohkost, und es bringt fast gar nichts?
Kaaks: Nein, man muss das jetzt nicht umdrehen. Es ist eher so, dass Menschen, die viel Gemüse essen, per se schlanker sind und das ist der entscheidende Effekt. Es gibt nicht viele Belege dafür, dass die Pflanzenstoffe einen Schutz vor Krebs erzeugen. Und künstliche Vitamine erhöhen in bestimmten Fällen sogar die Krebsgefahr.

BZ: Vor allem in den USA werden extrem hoch dosierte Vitaminpräparate in großen Mengen verkauft und auch eingenommen. Bringen sich die Amerikaner in Lebensgefahr?
Kaaks: Wir haben in unserer Heidelberger Epic-Studie zwei Papiere veröffentlicht, die ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt für Nutzer von Vitaminpräparaten zeigen. Die Frage ist natürlich, sind es die Präparate selbst oder nehmen ungesund lebende Menschen häufiger Vitaminpillen. Das ist schwierig zu interpretieren. Ganz eindeutig ist aber, dass Vitaminpräparate keine positive Wirkung zeigen.

BZ: Seit 1994 läuft die europäische Studie “Gesundheit, Ernährung, Krebs”, an der Sie mitarbeiten. Welche ersten Schlüsse können Sie ziehen?
Kaaks: Hauptauslöser für Krebs sind ganz eindeutig Rauchen und Übergewicht. Der Mangel an körperlicher Aktivität gehört auch dazu. Und bestimmte Krebsarten werden durch zu hohen Alkoholkonsum befördert. Hinzu kommen Nahrungsmittel, die entweder gute oder schlechte Auswirkungen haben können. Das ist statistisch teilweise schwer herauszufiltern, weil bestimmte Menschen ein insgesamt gesundes oder ungesundes Verhalten zeigen.

BZ: Wie sieht es denn beim roten Fleisch aus?
Kaaks: Der Verzehr hängt scheinbar mit einem Anstieg von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmten Krebsarten zusammen. Aber Menschen, die gerne rotes Fleisch essen, sind zugleich häufiger übergewichtig und rauchen öfter. Das sind, wie man heute sagt, oft Menschen aus bildungsfernen Schichten. Es kann also sein, dass nicht das rote Fleisch selbst, sondern das Gesamtverhalten der entscheidende Risikofaktor ist.

BZ: Wir hatten in den 50er-Jahren viele Atomwaffentests in der Atmosphäre, die Chemieindustrie und Heizungsanlagen haben mit großen Mengen Gift die Atmosphäre verpestet. Unsere Nahrung wird mit Chemikalien behandelt. Welchen Einfluss haben diese Faktoren auf die Entstehung von Krebs?
Kaaks: Das ist statistisch kaum zu erfassen. Die Atombombenversuche hätten die Krebsraten weltweit beeinflussen müssen. Seit den 60er-Jahren wissen wir, dass die Krebsarten weltweit enorm variieren. Es gibt beispielsweise Länder, in denen Darmkrebs eine Seltenheit ist. Aus Studien mit Migranten aus Niedrigkrebsgebieten weiß man, dass sie sich innerhalb von ein bis zwei Generationen in ihrem Krebsrisiko dem neuen Wohnort angleichen. Das Krebsrisiko hat also viel mit dem Lebensstil zu tun.

BZ: Was tun Sie selbst, um gesund zu bleiben?
Kaaks: Ich rauche nicht, ich versuche schlank zu bleiben und möchte mich jetzt im Frühling wieder mehr bewegen. Und beim Alkohol muss man aufpassen. Ein bis zwei Gläser Rotwein am Tag schützen offenbar vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mehr darf es nicht sein, dann überwiegen die Risiken. Mäßigung in allem, das ist das Stichwort.

war eine zwischen 1992 bis 2000 durchgeführte Untersuchung, um die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krebs zu ergründen. Insgesamt 519 000 Teilnehmer wurden zunächst in 23 Zentren in zehn europäischen Ländern befragt und um Auskunft über ihre Lebensgewohnheiten gebeten. Im Anschluss wurden im Schnitt zehn Jahre lang Blut- und medizinische Untersuchungsergebnisse der Probanden gesammelt und deren gesundheitliche Entwicklung der beobachtet.

Die meisten Teilnehmer der Studie waren Männer zwischen 40 und 65 Jahren und Frauen zwischen 35 und 65 Jahren. In Deutschland waren in den beiden Epic-Studienzentren in Potsdam und Heidelberg insgesamt 53 000 Personen an der Studie beteiligt. Das Ergebnis der sehr hochwertigen und gründlichen Arbeit überraschte viele Wissenschaftler: “Es wird allgemein angenommen, dass man Krebs durch eine hohe Aufnahme von Obst und Gemüse vorbeugen kann. Leider haben die uneinheitlichen Ergebnisse vieler Studien es nicht erlaubt, eine solche Beziehung zwischen dem Obst- und Gemüsekonsum und dem allgemeinen Krebsrisiko zu etablieren”, beginnen die Epic-Forscher ihren Artikel im Fachmagazin Journal of the National Cancer Institute.

Quelle: Badische Zeitung 21.05.2013

Brot braucht keine besonderen Fitness-Zutaten.

Sie nennen sich Fitmacher- oder Wellnessbrote und kosten gut und gerne das Doppelte eines normalen Brotes. Doch die besonderen Zutaten haben kaum eine Auswirkung auf die Gesundheit, sagt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Spezialbrote sind oft mit besonderen Zutaten angereichert, die laut dem Hersteller einen Nutzen für die Gesundheit oder Fitness haben sollen. Von Apfelfasern über Lupinenmehl und Mineralstoffe bis Zuckerrübensirup reichen solche Extras. Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bringen die Brote mit den kreativen Namen aber nichts: Eine Auswirkung der Extrazutaten auf Gewicht oder Gesundheit sei nicht nachgewiesen. Allenfalls der Geschmack oder die Konsistenz der Brote verändere sich dadurch. Sie kosten aber mehr als herkömmliches Brot.
Quelle:  Focus Online 13.05.2013
Rauchen schadet Frauen mehr als Männern.

Wenn sie an Lungenkrebs oder anderen Atemwegstumoren erkranken, verlieren sie deutlich mehr Lebensjahre als Männer, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden am Weltnichtrauchertag berichtete.

Während Männer im Durchschnitt 2,9 Jahre früher starben, verkürzte sich das Leben von Frauen im Durchschnitt um 10,5 Jahre.

13 815 Frauen wurden laut Destatis im Jahr 2010 Opfer von Krebsarten, «die in einen engen Zusammenhang mit dem Konsum von Tabakprodukten gebracht werden können». Das sind 36 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums sind rund 90 Prozent aller Menschen, die an Lungenkrebs sterben, Raucher.

Frauen sterben nicht nur früher an rauchertypischen Krebsarten – sie sterben auch häufiger daran. Unter den Todesopfern durch Lungen-, Bronchial-, Speise- oder Luftröhrenkrebs hat sich der Frauenanteil deutlich erhöht: 2010 waren 31 Prozent der insgesamt 44 457 Opfer Frauen, 2001 betrug der Frauenanteil bei 40 053 Gestorbenen 25 Prozent, wie die Statistiker herausfanden.

Der Grund: Männer haben in den letzten Jahren häufiger das Rauchen aufgegeben, dafür haben mehr Frauen damit angefangen. «Die Quittung bekommen wir jetzt», sagte der Leiterin der Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum, Martina Pötschke-Langer. «Wir haben einen erfreulichen Rückgang des Bronchialkarzinoms bei Männern, aber einen dramatischen Anstieg der Todesfälle bei Frauen.» Wenn sich die Entwicklung so fortsetze, «dann wird der Lungenkrebs bei Frauen bald den Brustkrebs als Todesursache Nummer Eins bei den Tumoren ablösen.»

Wieso sich Frauen mit dem Rauchen mehr schaden als Männer, ist nicht bekannt. «Darüber gibt es keine wissenschaftliche Untersuchung», sagte der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, Johannes Bruns, der dpa. Möglicherweise könnten hormonelle Schwankungen und der weibliche Zyklus eine Ursache sein. Epidemiologisch sei jedenfalls glasklar bewiesen, dass Frauen weniger widerstandsfähig sind gegenüber krebserzeugenden Stoffen als Männer. «Frauen sollten daraus ihre Schlüsse ziehen», rät Bruns.

Aus Kostengründen steigen unterdessen immer mehr Raucher auf Selbstgedrehte um. 2011 wurden in Deutschland täglich 74 Tonnen Feinschnitt konsumiert, 2002 waren es 42 Tonnen. Der Konsum von fertigen Zigaretten ging zurück: von 398 Millionen Stück täglich im Jahr 2002 auf 240 Millionen im Jahr 2011. Teuere Zigarren und Zigarillos werden ebenfalls häufiger gekauft: 2002 gingen acht Millionen Stück am Tag in Flammen auf, 2011 zwölf Millionen.

Seit der Wiedervereinigung wurden in Deutschland in keinem Jahr mehr Zigarren, Feinschnitt und Pfeifentabak produziert als 2011. Insgesamt wurden 220 Milliarden Zigaretten, 2,4 Milliarden Stumpen und Zigarillos, 532 Millionen Zigarren, 42 800 Tonnen Feinschnitt und 1100 Tonnen Pfeifentabak produziert.

Quelle:  Zeit Online

Seit Monaten steht der Termin fest: Freitag 9 Uhr ist das Meeting für die große Kundenpräsentation. Doch noch immer sind die Folien leer – und nur noch zwei Tage Zeit. Ungeliebte Dinge immer wieder aufzuschieben, ist vor allem eines: menschlich.

Solange man die Aufgaben am Ende vernünftig erledigt, ist das Aufschieben meistens kein Problem. Doch das kann schnell kippen: Türmen sich die Aufgaben zu sehr, kann es Auswirkungen auf andere haben, die ebenfalls an den Projekten beteiligt sind. Und im schlimmsten Fall leidet der Aufschieber selbst darunter. “Neue Studien gehen davon aus, dass fast jeder zweite Deutsche zum Aufschieben neigt”, sagt Susanne Watzke-Otte. Ist die Aufschieberitis krankhaft ausgeprägt, sprechen Psychologen von Prokrastination. Besonders Studenten leiden darunter – an manchen Universitäten gibt es deshalb bereits Prokrastinations-Ambulanzen.

Für die Personaltrainerin aus Paderborn hat insbesondere das Internet einen Einfluss auf das Aufschiebeverhalten der Menschen: Das Medium biete scheinbar sinnvolle Ablenkung rund um die Uhr, sagt Watzke-Otte. Gleichwohl spielen ihr zufolge auch Gene eine Rolle. In prähistorischen Zeiten sei es überlebensnotwendig gewesen, alle Kraft auf den Moment zu richten und nicht allzu weit in die Zukunft zu planen.

Hohe Ansprüche und geringes Selbstvertrauen

Doch wer ständig bis zur letzten Sekunde damit wartet, die Aufgaben zu erledigen, spielt mit seiner Gesundheit: Studien haben gezeigt, dass Prokrastinierer häufiger an Erkältungen, Grippe, Magenproblemen und Schlafstörungen leiden sowie einen erhöhten Alkoholkonsum haben. Viele Betroffene fühlen zwar, dass die Verzögerungstaktik am Ende mehr Stress mit sich bringt. Dennoch mangelt es den meisten an Einsicht.

“Dann helfen auch alle Tipps nicht”, sagt Watzke-Otte. Grundsätzlich seien alle Aufschieber optimistisch, was die Zeit betrifft, die ihnen zur Verfügung steht. Das Problem: “Hinzu kommen relativ hohe Ansprüche bei gleichzeitig geringem Vertrauen in das eigene Wissen und Können”, sagt Watzke-Otte. “Das ist eine oft lähmende Kombination.”

Ihrer Meinung nach packt man das Übel am besten an der Wurzel, indem man sich zuerst fragt, warum man die Arbeit aufschiebt. Kennt man den Grund, lässt sich dieser besser beseitigen. “Ist jemand zum Beispiel der Meinung, etwas sowieso nicht zu schaffen”, sagt Watzke-Otte, “kann er sich fragen: ‘Was ist zu tun, damit ich es schaffe?’”

Gegen die Aufschieberitis empfiehlt die Trainerin eine Drei-Minuten-Regel: Aufgaben, die nur wenig Zeit und Energie kosten, sollten schnell erledigt und nicht lange aufgeschoben werden. Vielen helfe es, sich die anstehenden Dinge aufzuschreiben. Das fühle sich verbindlicher an, als wenn die To Dos nur im Kopf umherschwirren.

Schwierig wird es, wenn Betroffene vor großen Projekten in Panik geraten oder gar Resignation empfinden. Auch das kann ein ständiges Aufschieben zur Folge haben. In diesen Fällen sei es hilfreich, so Watzke-Otte, die anscheinend unübersichtliche Aufgabe in kleine, konkret formulierte und terminierte Arbeitsschritte zu zerlegen, um die Hemmschwelle herabzusetzen.

Lifestyle-Aufschieber: “Ich brauche halt den Druck!”

Andere wiederum glauben, nur dann gute Arbeit abzuliefern, wenn sie das Projekt quasi in der letzten Minute erledigen und sich genügend Druck aufgebaut haben. Diese so genannten Lifestyle-Aufschieber stellen laut Watzke-Otte rund 15 Prozent der Aufschieber dar. “Sie lieben den Adrenalin-Kick, der durch das Hinauszögern entsteht.”

Machten diese Menschen erst einmal die Erfahrung, dass es auch so klappt, glaubten sie irgendwann, dass sie nicht trotz des Aufschiebens erfolgreich waren, sondern wegen dieses Lasters. Ihr Argument lautet dann: “Ich brauche halt den Druck!” Gerade diese Gruppe sei trotz der drohenden Stress Belastung besonders beratungsresistent, sagt Watzke-Otte.

Allen, die gegen ihre Aufschieberitis vorgehen wollen, legt die Expertin nahe: Auf keinen Fall darauf warten, dass sich von selbst die Lust einstellt, eine Aufgabe anzugehen. Sie empfiehlt, Startsignale zu entwickeln. Zum Beispiel: Erst einen Kaffee kochen und die Unterlagen kurz ordnen – und los geht’s. Und um die Motivation zu erhalten, könne man sich nach jedem Arbeitsschritt etwas gönnen, das Spaß macht. Vor allem aber sollte man sich selbst loben und über seine Fortschritte freuen können.

Quelle: Spiegel Online, Gesundheit, 30.04.2013

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